DSGVO, StGB & Schweigepflicht: ist DolmiDesk rechtssicher?
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Autor: Dmitry Dugarev
Für Dolmetscher*innen, insbesondere Gebärdensprachdolmetscher*innen (DGS), ist der Schutz sensibler Klientendaten nicht nur eine bürokratische Pflicht nach der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) [1] und dem Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) [2], sondern berührt den Kern des Berufsgeheimnisses.
Wer im medizinischen oder juristischen Kontext arbeitet, unterliegt oft der Schweigepflicht gemäß § 203 StGB [3]. Ein Verstoß ist eine Straftat, die mit Geld- oder Freiheitsstrafen geahndet werden kann.
Die Skepsis gegenüber Cloud-Diensten ist daher verständlich und in Deutschland weit verbreitet [4]. Dieser Artikel analysiert die Faktenlage, die technische Architektur von DolmiDesk und die spezifischen Pflichten für Dich als Berufsträger*in.
Die Architektur: Wer hält Deine Daten?
DolmiDesk ist eine klassische SaaS-Anwendung (Software-as-a-Service): Deine Daten liegen in einer Datenbank, die wir betreiben [5]. Das ist der ehrliche Ausgangspunkt – und genau deshalb ist entscheidend, wo diese Daten liegen, wie sie geschützt sind und wer rechtlich wofür einsteht.
Die tragenden Punkte dieser Architektur:
- Hosting ausschließlich in der EU. Anwendung, Datenbank, Dokumentenspeicher und der Versand von System-E-Mails laufen bei Scaleway SAS (Paris) in Rechenzentren in Frankreich und den Niederlanden [6]. Ein Drittlandtransfer findet dabei nicht statt.
- Mandantentrennung auf Datenbankebene. Jeder Account ist durch datenbankseitige Zugriffsregeln von allen anderen getrennt – nicht erst durch die Anwendungslogik, sondern eine Ebene tiefer.
- Feldweise Verschlüsselung. Besonders schutzbedürftige Felder werden einzeln verschlüsselt, jeweils gebunden an Mandant, Tabelle, Datensatz und Feld. Die Schlüssel werden pro Mandant verwaltet und lassen sich rotieren.
- Durchsuchbar trotz Verschlüsselung. Damit Du verschlüsselte Felder trotzdem durchsuchen kannst, arbeitet DolmiDesk mit sogenannten Blind Indexes (HMAC-Kurzwerten) statt mit Klartext-Suchspalten.
- Dokumente mit eigenen Schlüsseln. Erzeugte PDFs und hochgeladene Belege liegen dateiindividuell verschlüsselt in einem nicht öffentlich erreichbaren Speicher.
- Zugriffsschutz. Serverseitige Sitzungen, Zwei-Faktor-Authentifizierung und Passkeys.
Die Rollenverteilung: Art. 28 DSGVO
Datenschutzrechtlich ist die Aufteilung eindeutig [7]:
| Rolle | Wer | Wofür |
|---|---|---|
| Verantwortlicher (Art. 4 Nr. 7) | Du | Die Inhaltsdaten: Kund*innen, Einsätze, Rechnungen. Du entscheidest über Zwecke und Mittel. |
| Auftragsverarbeiter (Art. 4 Nr. 8) | DolmiDesk | Verarbeitet diese Daten ausschließlich weisungsgebunden zum Zweck der Bereitstellung der Anwendung. |
| Eigenverantwortlich | DolmiDesk | Nur für die eigenen Vertrags- und Abrechnungsdaten (Dein Konto, Deine Zahlung). |
Daraus folgen konkrete Pflichten, die wir vertraglich übernehmen: Wir werten Deine Inhaltsdaten nicht für eigene Zwecke aus, geben sie nicht an Dritte weiter (außer an die unten genannten Unterauftragsverarbeiter und – wenn Du Adressvorschläge und Routenberechnung nutzt – Adressen an Google als eigenständig Verantwortlichen sowie – wenn Du die Anzeige in Google Kalender einschaltest – Deine Aufträge in den Kalender „DolmiDesk“ in Deinem eigenen Google-Konto) und unterstützen Dich bei Betroffenenanfragen.
Unterauftragsverarbeiter: die vollständige Liste
Art. 28 Abs. 2 DSGVO verlangt Transparenz über beauftragte Unterauftragsverarbeiter. Vollständig und mit Rechtsgrundlage für den Transfer:
| Dienst | Anbieter & Sitz | Zweck | Ort der Verarbeitung | Transfergrundlage |
|---|---|---|---|---|
| Scaleway | Scaleway SAS, Paris (FR) [6] | Anwendung, Datenbank, Dokumente, System-E-Mails | Frankreich, Niederlande | Kein Drittlandtransfer (EU) |
| Cloudflare | Cloudflare, Inc., San Francisco (US) [8] | Auslieferung (CDN), Schutz vor Angriffen | Weltweites Netz, Verbindungsdaten | DPF + Standardvertragsklauseln |
| Stripe | Stripe Payments Europe, Ltd., Dublin (IE) [9] | Zahlungsabwicklung (Dein Abo) | EWR, Konzern in den USA | DPF + Standardvertragsklauseln |
| PostHog | PostHog, Inc., San Francisco (US) [10] | Anonyme Nutzungsstatistik – nur mit Einwilligung | EU-Cloud, Frankfurt am Main | Datenhaltung EU; DPF + SCC für Support |
| Google Workspace | Google Cloud EMEA Limited, Dublin (IE) [11] | Support-Postfach: E-Mails an support@ und Anfragen aus dem Kontaktformular | Google-Rechenzentren weltweit, u. a. EU und USA | DPF + Standardvertragsklauseln |
| Mistral AI | Mistral AI, Paris (FR) [12] | Texterkennung in Belegen ohne Textebene und in importierten Rechnungen | Nur EU-Endpunkt: EU/EFTA | EU-Anbieter; kein Transfer durch uns, SCC im DPA |
Kein Unterauftragsverarbeiter: Google Maps Platform. Für Adressvorschläge und Routenberechnung übermittelt DolmiDesk Adressen an Google, sobald Du diese Funktionen nutzt – auf Deine Weisung. Google verarbeitet sie nicht in unserem Auftrag, sondern als eigenständig Verantwortlicher nach den Google Controller-Controller Data Protection Terms; für Daten aus dem EWR und der Schweiz ist das die Google Ireland Limited. Deshalb steht Google Maps in der Liste der Unterauftragsverarbeiter nicht in der Tabelle, sondern unter „Weitere Empfänger“. Einzelheiten stehen in der Datenschutzerklärung unter „Adressvorschläge und Routenberechnung (Google Maps Platform)“.
Wichtig zur Einordnung: Deine Klientendaten – Namen, Einsatzorte, Rechnungsinhalte – liegen bei Scaleway in der EU und verlassen diese Infrastruktur an zwei Stellen, die im selben Absatz stehen. Cloudflare sieht Verbindungsdaten (insbesondere IP-Adressen), keine Inhalte Deiner Aufträge. Stripe sieht Deine Zahlungsdaten, nicht die Deiner Kund*innen. PostHog erfasst keine Inhaltsdaten und ist ohne Deine Einwilligung vollständig abgeschaltet. Die erste Stelle ist Mistral AI: Kann DolmiDesk einen hochgeladenen Beleg auf den eigenen Servern nicht lesen – also bei einem Foto oder Scan ohne Textebene –, geht die Datei zur Texterkennung an den europäischen Endpunkt dieses französischen Anbieters, im Inhalt der Anfrage und ohne dass dort eine Datei abgelegt wird. Ebenso geht beim Import Deiner eigenen Rechnungen aus einem früheren Programm jede PDF-Datei dorthin, die keine E-Rechnung enthält, deren Positionen die Einsätze nennen – mit höchstens ihren ersten zwölf Seiten. Alles, was auf diesem Beleg oder dieser Rechnung abgebildet ist, sieht der Anbieter damit vollständig. Die zweite ist die Google Maps Platform: Für Adressvorschläge und Routenberechnung gehen Adressen, etwa Einsatzorte, an Google (siehe „Die Rolle von Google“). Eine weitere Stelle gibt es nur, wenn Du sie selbst einschaltest: Zeigst Du Deine Aufträge in Google Kalender an, gehen sie in den Kalender „DolmiDesk“ in Deinem eigenen Google-Konto (ebenfalls unter „Die Rolle von Google“). Belege mit Textebene, E-Rechnungen, beim Rechnungsimport XRechnungen und E-Rechnungen, deren Positionen die Einsätze nennen, und alle übrigen Daten verlassen unsere Server nicht.
Die Rolle von Google
Neben unserem Support-Postfach (Google Workspace, siehe Tabelle) ist Google nur an zwei klar abgegrenzten Stellen beteiligt: beim Kalender – beim Import einschließlich der Dateien in Google Drive, die an importierten Terminen hängen, und, wenn Du sie einschaltest, bei der Anzeige Deiner Aufträge – sowie bei Adressvorschlägen und Routenberechnung.
Der Kalender – Lesezugriff für den Import, ein eigener Kalender für die Anzeige
Für den Import fordert DolmiDesk beim Verbinden ausschließlich Lesezugriffe an [13]:
calendar.readonlyundcalendar.events.readonly, um Deine Kalender und die Termine darin zu lesen;drive.readonly, um Dateien abzurufen, die an einem importierten Termin hängen (etwa eine Auftragsbestätigung), und sie am Auftrag abzulegen. Google vergibt diese Berechtigung nur für das ganze Drive; DolmiDesk ruft damit aber ausschließlich die Anhänge importierter Termine ab und liest keine anderen Dateien;openidundemail, damit Du siehst, welches Konto verbunden ist und DolmiDesk erkennt, ob eine spätere Freigabe vom selben Konto kommt.
Mit diesen Berechtigungen kann DolmiDesk Deine Termine und Dateien weder ändern noch löschen.
Einen Schreibzugriff fordert DolmiDesk nur an, wenn Du unter Einstellungen → Konnektoren Aufträge in Google Kalender anzeigen einschaltest – und dann gesondert und eng begrenzt: calendar.app.created erlaubt DolmiDesk nur, einen eigenen Kalender anzulegen und in Kalendern zu schreiben, die es selbst angelegt hat. DolmiDesk legt in Deinem Google-Konto den Kalender „DolmiDesk“ an und hält dort Deine Aufträge aktuell; Deine übrigen Kalender, Termine und Dateien kann es auch damit weder ändern noch löschen. Was im Termin steht, wählst Du: Vollständig (Art und Anlass des Einsatzes, Datum und Uhrzeit, bei Einsätzen vor Ort die Adresse und das Verkehrsmittel, die Bezeichnungen der Kund*innen und des Kostenträgers, ein Link zum Auftrag) oder Nur Zeit + Auftragsnummer (keine Namen, kein Anlass, keine Adresse). Preise, Rechnungen, Kontaktdaten, Fahrzeiten und Anhänge gehen nie an Google, und vergangene Aufträge werden nicht neu übertragen. Beim Ausschalten kannst Du den Kalender „DolmiDesk“ mit allen Terminen löschen lassen. Einzelheiten stehen in der Datenschutzerklärung unter „Aufträge in Google Kalender anzeigen“.
Die Routenberechnung – mit Klartext-Adressen
Für Entfernung und Fahrzeit fragt DolmiDesk die Google Routes API ab [14]. Dabei werden Start- und Zieladresse im Klartext an Google übermittelt; zurück kommen ausschließlich Distanz und Dauer.
Dasselbe gilt für die Adressvorschläge beim Eintippen einer Adresse (Places API). Google verarbeitet diese Adressen nicht in unserem Auftrag, sondern als eigenständig Verantwortlicher nach den Google Controller-Controller Data Protection Terms und darf sie nach seiner Datenschutzerklärung auch für eigene Zwecke nutzen, etwa um seine Dienste zu verbessern.
Wenn Du Google für Kalender und E-Mail nutzt
Weil Dein Kalender bei Google liegt, ist die klassische Google-Frage relevant – allerdings ausschließlich für Dein eigenes Google-Konto, nicht für die Datenhaltung von DolmiDesk.
| Merkmal | Privates Konto (@gmail.com) | Business Konto (Google Workspace) |
|---|---|---|
| Kosten | Kostenlos | Kostenpflichtig (ab ca. 6€/Monat) |
| Geschäftsmodell | Datenanalyse & Werbung | Software-Lizenzgebühren |
| Datenschutz | Google darf Daten teils scannen | Kein Werbe-Scanning, Daten gehören Dir [11] |
| AV-Vertrag | Nicht verfügbar | Enthalten & DSGVO-konform |
| Geeignet für § 203 StGB | ❌ NEIN | ✅ JA (unter Auflagen) |
Viele Datenschutzbedenken stammen aus der Nutzung privater Konten, bei denen Google sich weitreichende Rechte zur Datenanalyse einräumt [15]. Im Business-Umfeld (Workspace) garantiert Google vertraglich, dass keine Daten für Werbezwecke gescannt werden [11].
Rechtliche Sicherheit: USA & Drittlandtransfer
Ein Hauptkritikpunkt war lange der Datentransfer in die USA (bekannt durch das "Schrems II"-Urteil des EuGH [16]). Nach dem Wegfall des Privacy Shield Abkommens war unklar, ob US-Anbieter ausreichende Datenschutzgarantien bieten können.
Für DolmiDesk ist diese Frage deutlich entschärft: Deine Inhaltsdaten liegen bei Scaleway in Frankreich und den Niederlanden – hier findet überhaupt kein Drittlandtransfer statt [6]. Die Frage stellt sich nur noch für die Randbereiche: Auslieferung (Cloudflare), Zahlung (Stripe), Texterkennung auf Belegen ohne Textebene und auf importierten Rechnungen (Mistral AI – ein französischer Anbieter, dessen eigene Unterauftragsverarbeiter aber teils außerhalb der EU sitzen) und – falls Du sie nutzt – Kalender und Routen (Google).
Aktueller Stand (Data Privacy Framework)
Seit dem 10. Juli 2023 gilt der Angemessenheitsbeschluss der EU-Kommission für das EU-US Data Privacy Framework (DPF).
- Das bedeutet: Die USA gelten datenschutzrechtlich nicht mehr als unsicheres Drittland, sofern das US-Unternehmen zertifiziert ist [17].
- Google LLC ist unter diesem Framework zertifiziert und steht auf der offiziellen Liste des US-Handelsministeriums und ist zum Zeitpunkt dieses Artikels (2025) bis zum 13. September 2026 zertifiziert [18].
Ergänzend stützen wir die betroffenen Verarbeitungen zusätzlich auf Standardvertragsklauseln nach Art. 46 Abs. 2 lit. c DSGVO – also auf eine zweite, vom Angemessenheitsbeschluss unabhängige Grundlage. Sollte der DPF-Beschluss fallen, wie es dem Privacy Shield ergangen ist, bricht die Rechtsgrundlage nicht ersatzlos weg.
Deine Pflicht: der AV-Vertrag mit uns
Um Art. 28 DSGVO zu erfüllen, brauchst Du einen Auftragsverarbeitungsvertrag mit uns [1]. Du findest ihn in der Anwendung unter Einstellungen → Datenschutz, gemeinsam mit dem TOM-Dokument und der Liste der Unterauftragsverarbeiter.
Nutzt Du zusätzlich Google Workspace für Deinen Kalender, brauchst Du außerdem den AV-Vertrag mit Google – das ist ein davon unabhängiger Vertrag.
Wie? In der Google Admin-Konsole unter Konto > Kontoeinstellungen > Rechtliches und Compliance. Dort musst du dem "Cloud Data Processing Addendum (CDPA)" zustimmen.

Gemeinsame Verantwortung: Wer schützt was?
Auch bei einer gehosteten Anwendung gilt ein Shared Responsibility Model – die Aufteilung verschiebt sich nur:
-
Du bist verantwortlich für:
- die Inhalte, die Du eingibst (Datensparsamkeit, keine unnötigen Diagnosen)
- die Auswahl und Verpflichtung Deiner Dienstleister (siehe § 203 StGB unten)
- Deine Zugangsdaten: starke Anmeldung, Zwei-Faktor-Authentifizierung bzw. Passkeys
- wer in Deinem Account ein Benutzerkonto hat
- den Abschluss des AV-Vertrags
-
DolmiDesk ist verantwortlich für:
- Betrieb, Verfügbarkeit und Sicherheit der Anwendung
- Verschlüsselung, Mandantentrennung und Schlüsselverwaltung
- Auswahl und Kontrolle der Unterauftragsverarbeiter
- Einhaltung des AV-Vertrags und Unterstützung bei Betroffenenanfragen
- Meldung von Datenschutzverletzungen an Dich (Art. 33 Abs. 2 DSGVO)
Dieses Modell bedeutet: Solange Du keine sensiblen Details unnötig erfasst und Deine Zugänge absicherst, liegt der technische Schutz bei uns – der inhaltliche Schutz bei Dir.
§ 203 StGB: Dürfen wir Deine Daten überhaupt sehen?
Das ist die entscheidende Frage. Wenn Du eine gehostete Anwendung nutzt, ist ein Dritter beteiligt – daran führt kein Weg vorbei. Die gute Nachricht: Genau dieser Fall ist im Strafgesetzbuch ausdrücklich geregelt.
Die Rechtslage seit 2017
Bis 2017 war die Einbindung externer IT-Dienstleister durch Berufsgeheimnisträger*innen rechtlich heikel. Mit dem Gesetz zur Neuregelung des Schutzes von Geheimnissen bei der Mitwirkung Dritter an der Berufsausübung schweigepflichtiger Personen wurden § 203 Abs. 3 und Abs. 4 StGB eingeführt [19].
Seither gilt [3]:
- § 203 Abs. 3 S. 2 StGB: Das Offenbaren gegenüber „sonstigen mitwirkenden Personen" ist kein unbefugtes Offenbaren, soweit es für die Inanspruchnahme der Tätigkeit dieser Personen erforderlich ist. IT-Dienstleister sind ausdrücklich erfasst.
- § 203 Abs. 4 StGB: Dafür musst Du die mitwirkende Person sorgfältig auswählen und sie zur Geheimhaltung verpflichten. Verstößt Du dagegen, machst Du Dich strafbar – nicht der Dienstleister.
Was wir dafür bereitstellen
- Eine Verpflichtung auf das Berufsgeheimnis nach § 203 Abs. 4 StGB, die sich auf alle Personen erstreckt, die bei uns Zugang haben könnten.
- Das TOM-Dokument als Nachweis für Deine Auswahlentscheidung.
- Die Liste der Unterauftragsverarbeiter, damit Du weißt, wer noch beteiligt ist – denn auch Unterauftragsverarbeiter müssen nach § 203 Abs. 4 S. 2 StGB entsprechend verpflichtet sein.
Alle drei findest Du in der Anwendung unter Einstellungen → Datenschutz.
Nicht erfasst ist die Google Maps Platform. Google erhält Adressen nicht als Unterauftragsverarbeiter, sondern als eigenständig Verantwortlicher (siehe „Die Rolle von Google“) und ist weder durch uns noch durch diese Unterlagen zur Verschwiegenheit nach § 203 StGB verpflichtet. Kann schon ein Einsatzort ein fremdes Geheimnis sein – etwa die Privatanschrift einer gedolmetschten Person zusammen mit dem Termin –, lies vor der Eingabe den Hinweis „Bitte genau lesen“ im Abschnitt „Die Routenberechnung – mit Klartext-Adressen“: Dort steht, wann eine Adresse an Google geht und wie weit Du das vermeiden kannst.
Berufsgeheimnis, DSGVO & Versand von Rechnungen per E-Mail
Hier wird es für Dolmetscher*innen spezifisch. Du verarbeitest oft Daten nach Art. 9 DSGVO (Gesundheitsdaten, z.B. "Dolmetschen bei Onkologie-Gespräch"). Aber auch hier treffen zwei Welten aufeinander: Die strenge Schweigepflicht und die digitale Realität der Kostenträger.
Darf ich Rechnungen per E-Mail senden?
Grundsätzlich ist eine unverschlüsselte E-Mail so offen wie eine Postkarte. Das Gesetz und die Berufsordnungen verbieten den unverschlüsselten Versand sensibler Daten. Aber: Die Rechnungsstellung ist für die Erfüllung Deines Auftrags notwendig - und die Kostenträger (z.B. Krankenkassen, Gerichte) erwarten eine Rechnung per E-Mail.
Grundsätzlich gilt eine unverschlüsselte E-Mail als unsicher ("Postkarten-Prinzip"). Doch für die Rechnungsstellung gelten Ausnahmen, die auf der Erforderlichkeit basieren.
Die Rechtsgrundlage für den Versand
Du darfst die Daten übermitteln, weil es ohne Übermittlung kein Geld gibt. Die DSGVO erlaubt dies ausdrücklich:
- Vertragserfüllung (Art. 6 Abs. 1 lit. b DSGVO [1]): Die Rechnungsstellung ist ein wesentlicher Bestandteil Deines Vertrages mit dem Kostenträger. Ohne Übermittlung der Rechnung kann der Vertrag nicht vollständig erfüllt werden.
- Geltendmachung von Ansprüchen (Art. 9 Abs. 2 lit. f DSGVO [1]): Selbst bei sensiblen Gesundheitsdaten ist die Verarbeitung (und Übermittlung) erlaubt, wenn sie "zur Geltendmachung, Ausübung oder Verteidigung von Rechtsansprüchen" (hier: Dein Honoraranspruch) erforderlich ist.
- Verwaltung des Sozialsystems (Art. 9 Abs. 2 lit. h DSGVO [1]): Wenn Du mit Krankenkassen oder Sozialträgern abrechnest, fällt dies unter die Verwaltung der Gesundheitsdienste.
Von daher ist der Versand von Rechnungen per E-Mail rechtlich zulässig, sofern angemessene Sicherheitsmaßnahmen gemäß Art. 32 DSGVO getroffen werden.
Die technische Sicherheit (TLS vs. Ende-zu-Ende)
Die deutschen Datenschutzaufsichtsbehörden (DSK) fordern zwar idealerweise eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (PGP/S/MIME), erkennen aber an, dass dies im Geschäftsverkehr oft fehlt [20].
Daher gilt Transportverschlüsselung (TLS) als akzeptabler Mindeststandard für den normalen Schriftverkehr, sofern keine hochsensiblen medizinischen Details (z.B. ausführliche psychologische Gutachten) im Klartext übertragen werden [21].
Der Versand erfolgt bei DolmiDesk über die Transactional-E-Mail-Infrastruktur von Scaleway in der EU [6] – nicht über Dein Gmail-Postfach. Die Übertragung ist TLS-gesichert; wenn die Empfänger-Behörde (z. B. AOK, Gericht) ebenfalls TLS unterstützt – heute der Regelfall –, wird die E-Mail auf dem Weg durch das Internet verschlüsselt übertragen [20].
Also bist Du weiterhin für die inhaltliche Datensparsamkeit verantwortlich, wir für die technische Sicherheit der Versand-Infrastruktur.
Warum TLS in vielen Fällen ausreichend ist
Art. 32 DSGVO verlangt keine perfekten Sicherheitsmaßnahmen, sondern angemessene. Die Angemessenheit hängt vom Risiko ab. Für einfache Verwaltungsdaten wie Rechnungen ist das Risiko gering, wenn:
- keine Diagnosen enthalten sind
- die Empfängerbehörde TLS unterstützt
- Du Deinen DolmiDesk-Zugang mit Zwei-Faktor-Authentifizierung oder Passkeys absicherst
Damit liegt der Schutz häufig über dem Niveau vieler herkömmlicher Praxislösungen, bei denen Rechnungen unverschlüsselt auf dem Laptop oder Smartphone liegen.
Checkliste für § 203 StGB- & DSGVO-Konformität
Mit DolmiDesk:
- Ich habe den AV-Vertrag nach Art. 28 DSGVO mit DolmiDesk abgeschlossen (Einstellungen → Datenschutz).
- Ich habe die Verpflichtung auf das Berufsgeheimnis nach § 203 Abs. 4 StGB abgeschlossen.
- Ich habe das TOM-Dokument und die Liste der Unterauftragsverarbeiter gelesen und als Grundlage meiner Auswahlentscheidung dokumentiert.
- Ich habe meinen Zugang mit Zwei-Faktor-Authentifizierung oder Passkeys abgesichert.
- Ich habe DolmiDesk in mein Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten (Art. 30 DSGVO) aufgenommen.
Für meinen Kalender:
- Ich nutze für berufliche Termine Google Workspace (Business), kein privates Gmail.
- Ich habe den AV-Vertrag (Cloud Data Processing Addendum) mit Google digital unterzeichnet.
- Meine Termintitel enthalten keine Diagnosen – sie wandern in Auftrag und Rechnung.
- Zeige ich meine Aufträge in Google Kalender an, wähle ich Nur Zeit + Auftragsnummer, sobald Namen, Kostenträger und Anlass zusammen Gesundheitsdaten verraten könnten.
Inhaltlich:
- Ich vermeide Diagnosen oder intimste Details im Freitext der Rechnung.
- Bei besonders sensiblen Einsätzen lege ich den Auftrag von Hand an und trage Entfernung und Fahrzeit selbst ein, statt sie berechnen zu lassen (siehe „Die Routenberechnung – mit Klartext-Adressen“).
Fazit
Die Nutzung von DolmiDesk ist datenschutzkonform möglich, erfordert aber Disziplin bei der Einrichtung.
Dass bei einer gehosteten Anwendung ein Dienstleister beteiligt ist, ist kein Sonderfall, sondern der gesetzlich vorgesehene Normalfall: § 203 Abs. 3 und 4 StGB regeln ihn seit 2017 ausdrücklich [19]. Entscheidend ist, dass dieser Dienstleister vertraglich, technisch und strafrechtlich gebunden ist – und dass Deine Inhaltsdaten unsere europäische Infrastruktur an zwei Stellen verlassen, die oben unter Unterauftragsverarbeiter beschrieben sind: Ein Beleg ohne Textebene und beim Rechnungsimport jede PDF-Datei ohne E-Rechnung, deren Positionen die Einsätze nennen, gehen zur Texterkennung an den europäischen Endpunkt von Mistral AI, der in der EU und der EFTA verarbeitet, und Adressen für Adressvorschläge und Routenberechnung gehen an die Google Maps Platform – dort ohne Verpflichtung nach § 203 StGB (siehe „Was wir dafür bereitstellen“). Schaltest Du die Anzeige in Google Kalender ein, gehen Deine Aufträge außerdem in den Kalender „DolmiDesk“ in Deinem eigenen Google-Konto. Alles Übrige bleibt, wo es ist.
In vielen praktischen Szenarien kann ein professioneller Cloud-Dienst — insbesondere mit MFA, TLS, Backups, Redundanz und zertifizierten Rechenzentren — ein höheres Sicherheitsniveau bieten als lokal gespeicherte Dateien auf unverschlüsselten Geräten [23].
Nutze DolmiDesk mit Bedacht, halte Dich an die Checkliste und Du kannst Deinen Dolmetscher*innen-Alltag effizient und rechtskonform gestalten.
Haftungsausschluss
Keine Rechtsberatung
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Haftungsausschluss für die Nutzung von DolmiDesk
DolmiDesk ist eine gehostete Web-Anwendung. Für die Inhaltsdaten, die Sie darin verarbeiten, sind Sie datenschutzrechtlich Verantwortlicher; wir handeln insoweit als Auftragsverarbeiter nach Art. 28 DSGVO. Umfang, Zweck und Grenzen dieser Verarbeitung ergeben sich aus dem Auftragsverarbeitungsvertrag; unsere technischen und organisatorischen Maßnahmen sind im TOM-Dokument beschrieben. Im Verhältnis zwischen diesem Artikel und jenen Dokumenten gehen die Vertragsdokumente vor.
Die Verantwortung für die inhaltliche Gestaltung von Rechnungen, Kalendereinträgen und E-Mails, für Datensparsamkeit sowie für die Absicherung der eigenen Zugänge (z. B. Zwei-Faktor-Authentifizierung, Passkeys, Vergabe von Benutzerkonten) liegt bei den Nutzer*innen.
Es wird keine Haftung übernommen für:
- fehlerhafte Nutzung oder Konfiguration,
- Datenschutzverstöße, die aus unzureichend abgesicherten Zugängen der Nutzer*innen resultieren,
- die Inhalte der verarbeiteten oder versendeten Dokumente,
- Ausfälle, Änderungen oder Einschränkungen von Diensten Dritter (z. B. Google Kalender).
Nutzer*innen sind verpflichtet, die für sie geltenden beruflichen, vertraglichen und gesetzlichen Anforderungen — insbesondere DSGVO, BDSG und § 203 StGB — selbstständig zu prüfen und einzuhalten. Dies gilt namentlich für die sorgfältige Auswahl und die Verpflichtung mitwirkender Personen nach § 203 Abs. 4 StGB.
Die Nutzung von DolmiDesk erfolgt auf eigene Verantwortung.